Methe/Methe-Tag: Olympia als Schnapsidee / US-Nationalteam in Vellmar: Klaus Kurtz und Gedankenspiele in den 90er-Jahren 09.08.18 08:45 Alter: 9 Tage

Von: Wolfgang Bauscher aus HNA Kassel

Wäre damals nicht, wie er es heute ausdrückt, „das Fracksausen hochgekommen“, hätte Klaus Kurtz vielleicht in den 90er- Jahren Handball für die amerikanische Nationalmannschaft gespielt. Und träfe anlässlich des Methe/Methe-Tags des TSV Vellmar auf seine Nachfolger.

 

 

Diese bestreiten derzeit ein Trainingslager in Dormagen und gastieren am Freitag (19.30 Uhr, Großsporthalle) beim Landesligisten. Weil Kurtz, heute Koordinator im Seniorenbereich der TSV-Handballer, auch einen amerikanischen Pass besitzt, hatten seine damaligen Mitspieler beim TSV Ihringshausen in den 90er-Jahren eine Idee. „Eigentlich war es ja eher eine Schnapsidee. Aber sie meinten, ich könne doch eigentlich mal für die USA spielen. Bei Olympia 1992 in Barcelona und noch mehr 1996 in Atlanta“, berichtet Kurtz. Und er spielte tatsächlich mit dem Gedanken, kam aber wieder davon ab: „Ich habe bei den Institutionen in den USA nachgefragt. Aber ich hätte zuvor ein Jahr dort spielen müssen. Das war nicht machbar, zumal es dort keine Vereine gibt, sondern alles über die Unis und Colleges läuft und ich außerdem mit dem Studium hier in Schwierigkeiten gekommen wäre.“ Der möglicherweise verpassten Chance trauert Kurtz nicht nach. Denn es stellte sich ja auch das schon erwähnte Fracksausen ein. „Ich habe mich gefragt, ob ich wirklich gut genug bin“, sagt der 49-Jährige. 1990 war Kurtz in die Region gekommen und schloss sich den Handballern des TSV Ihringshausen an. Mit den Fuldatalern stieg er 1999 in die Oberliga auf. Auch für die HSG Zwehren/Kassel spielte er.

Ist seit der Winterpause Mitglied der Sportlichen Leitung im TSV Vellmar: "Fast-US-Nationalspieler" Klaus Kurtz. (Foto: Jan Meyer)

Derzeit trainiert er die männliche B-Jugend von Eintracht Baunatal. Wie aber kam er zum amerikanischen Pass? „Ich wurde 1968 in Bremen geboren und bin kurz darauf mit der Familie nach Cleveland/Ohio in die USA gezogen“, sagt er. 1975 kehrte er als amerikanischer Staatsbürger nach Deutschland zurück. „Als nach dem Referendariat die Verbeamtung anstand, ließ ich mich hier einbürgern“, berichtet der heutige Konrektor der Unterneustädter Grundschule. Freilich nicht, ohne die US-Staatsbürgerschaft zu behalten. Am Freitag beim Spiel in der Großsporthalle wird Kurtz auch als Dolmetscher gefragt sein. Ob er als Amerikaner ein Wort zu Präsident Trump loswerden wolle? „Oh je, was soll man da sagen? Der Mann ist eine Karikatur. Das ist alles total schade und traurig.“

Hintergrund

Seit 2012 erinnern die Handballer des TSV Vellmar an die verstorbenen Weltklasse-Schiedsrichter Bernd und Reiner Methe einmal im Jahr mit einer sportlichen Veranstaltung. Die Zwilingsbrüder waren am 11.11.2011 auf der Fahrt zum Bundesligaspiel in Balingen- Weilstetten tödlich verunglückt. Aus dem 2012 gestarteten Methe/ Methe-Cup ist mittlerweile der Methe/Methe-Tag geworden. Nachdem im vergangenen Jahr der Bundesligist THW Kiel zu Gast in Vellmar war und 1200 Zuschauer anzog, haben die Ausrichter diesmal erneut einen Leckerbissen für die Handball- Fans. Das US-Nationalteam mit Trainer Robert Hedin gastiert am Freitag ab 19.30 Uhr in der Großsporthalle in Vellmar. (mko)

 

Programmheft jetzt schon online lesen ...


Kategorie: Handball, MMC2018, 1. Männer 18/19 MMC2018