Die Stimmung war in der letzten Woche gut im Training der Oberliga-Handballer des TSV Vellmar in der Brüder-Grimm-Halle. Was vielleicht fehlte, war die Vorfreude auf ein Spiel. Denn ein solches haben die Vellmarer noch nicht absolviert.

Corona hat erst den ursprünglichen Saisonstart am 13. September, dann den am 18. Oktober verschoben. Bis zum 8. November wurde schließlich die Spielzeit ausgesetzt – nach dem kürzlich beschlossenen Verbot des Amateursports durch die Politik wird sich die Zwangspause aber mindestens bis Ende November verlängern. Es ist fraglich, ob in diesem Jahr überhaupt noch Handball gespielt wird.

„Wir werden sehen“, sagt TSV-Coach Abraham Rochel. „Ich versuche, die Mannschaft bei Laune und fit zu halten.“ Dreimal pro Woche trafen sich Spieler und Trainer bisher und trainierten eben. Seit Montag ist allerdings für mindestens vier Wochen kein Mannschaftstraining mehr möglich. Die bisherigen Übungseinheiten fanden immer unter Hygienebedingungen, mit viel Vorsicht und Rücksicht statt. „Mehr können wir nicht machen“, sagt Rochel. Zusätzlich zum Mannschaftstraining bekam jeder Spieler noch individuell Aufgaben mit auf den Heimweg.

Trotz Corona ein eingeschworener Haufen: Das TSV-Oberligateam grüßt den verletzten Mitspieler "Jama" Berninger. (Foto: TSV-Presseteam)

Kann der Trainer denn die Spieler ohne das Ziel Punktspiel überhaupt noch motivieren? „Es wissen ja alle, warum die Situation so ist“, sagt Rochel. „Und alle hoffen, dass es irgendwann auch losgeht, dann will aber auch jeder auf den Punkt fit sein. Also ziehen alle mit.“ Torwart Christian Gumula ist einer der beiden Kapitäne beim TSV Vellmar. „Wir trainieren seit Mai und haben es bis jetzt geschafft, die gute Laune im Team zu halten, und das schaffen wir auch bis zum ersten Spiel“, sagt der 35-Jährige. „Man verliert zwar im Laufe der Zeit das Gefühl für den Wettkampf, aber wenn es soweit ist, werden wir schon im richtigen Modus sein.“

Finn Hujer ist der andere Kapitän. Keine Frage, dass ihm auch das Spiel gegen einen Gegner fehlt. „Unser Trainer hat es bisher geschafft, dass das Training Spaß macht und nicht ätzend geworden ist“, sagt Hujer. „Natürlich ist nur Training manchmal etwas nervig, aber die Situation ist nun mal so.“ Die Trainingsbeteiligung sei hoch.

Daniel Brückmann ist einer der Spieler, die schon länger in Vellmar sind. „Wir haben ja schon viele besondere Situationen gehabt, aber so etwas wie diese Pandemie gab es noch nicht“, sagt der 25-Jährige. „Natürlich sind alle heiß darauf, endlich ein Spiel zu machen, aber was nicht geht, geht nicht“, sagt Brückmann. Der Linksaußen hat aber volles Verständnis für die Aussetzung der Punktspiele: „Wir müssen schon Rücksicht auf das Wohl der Allgemeinheit, unserer Familien und Arbeitskollegen nehmen.“

Auch Brückmann lobt die gute Stimmung im Team, „wir lassen uns nicht unterkriegen.“ Und bis zum ersten Punktspiel, wann immer das auch ist, heißt es eben fit und gesund bleiben. (von Peter Fritschler aus HNA Kassel)