Drucken

Seit dem 26. März steht fest, dass die Beschlüsse des Hessischen Handball-Verbandes de facto eine Beendigung der Pflichtspielrunden 2020/2021 im Erwachsenenbereich bedeuten. So ist eine Serie zu Ende gegangen, die eigentlich nie begonnen hat.

Die Männer des TSV Vellmar warten jetzt auf den Startschuss für die nächste Serie, die sie weiter in der Oberliga Hessen spielen werden. „Wir werden eine lange Vorbereitung brauchen, wir sind ja aus dem spezifischen Training völlig raus“, sagt Rückraumspieler Finn Hujer, der mit der kompletten Mannschaft im Oktober 2020 zum letzten Mal zusammen war. Ohne langes und intensives Training vor der Saison – wenn sie denn stattfindet – sei die Verletzungsgefahr viel zu groß.

Hujer fehlt, wie sicher vielen anderen auch, der Handball enorm. „Die Sucht nach Handball ist groß“, sagt der frühere Baunataler. „Ich bin schon dankbar, dass ich im Fernsehen erste und zweite Liga schauen kann, das hält bei Laune.“

Hofft auf die "neue" Saison: TSV-Spielmacher Finn Hujer (im Wurf). (Foto: Katrin Sucker)

Die Frage, ob er denn noch alle Mitspieler aufzählen kann, beantwortet Hujer mit „selbstverständlich“. Man halte untereinander Kontakt, jogge mal zu zweit oder gehe auf dem Fahrrad auf die Runde. „Jeder Spieler weiß doch, was er tun muss, um fit zu bleiben. Jeder hat so für sich seine persönlichen Hausaufgaben, und die werden erledigt“, sagt der 25-Jährige, der dazu noch Gelegenheit hat, einen Fitnessraum zu nutzen. Gegen die Sehnsucht nach dem Spiel mit dem Ball hilft das aber wenig.

Das sieht Niklas Willrich genauso. „Handball ist für mich ein fester Bestandteil meines Lebens, da fehlt jetzt einfach etwas Wichtiges“, sagt Willrich. „Die ersten Wochen waren ja noch ganz schön, man hatte ein anderes Zeitpotenzial. Aber je länger die Pause wurde, desto mehr hat der Handball gefehlt.“

Vermisst "seinen" Sport: Niklas Willrich (rechts). (Foto: Katrin Sucker)

Auch Willrich versucht, sich mit „allem, was geht“ fit zu halten. Das persönliche Fitness-Programm oder die Arbeit mit der Sportgruppe an seiner Arbeitsstelle, der Fachklinik Böddiger Berg, sind nur ein Teil davon. „Ich bin froh, dass wir ein Fahrradergometer im Keller haben“, sagt Willrich. Und genau wie sein Mannschaftskollege Finn Hujer hält Niklas Willrich Kontakt zu den anderen. „So ein Chat ist dazu ja auch noch eine willkommene Abwechslung“, sagt der 23-Jährige. Die Aussicht auf eine neue Saison, lässt es schon etwas „kribbeln“, aber man könne sich ja noch nicht sicher sein, ob es die überhaupt gibt.

Beim TSV Vellmar wird es hinsichtlich der personellen Zusammensetzung der Mannschaft bisher keine Änderungen geben. „Es ist halt schwer, neue Spieler zu bekommen. Der Markt hier in Nordhessen ist nicht groß, wir werden uns aber weiter bemühen“, sagt der sportliche Leiter Gordon Hauer. „Aber wir sind ja schon froh, dass alle Spieler ihre Zusage für die nächste Serie gegeben haben.“ Gleiches gilt, wie bereits berichtet, auch für Vellmars Trainer Abraham Rochel Icardo. Der hält zu den Spielern weiter digital Kontakt. „Ich kann mich darauf verlassen, dass jeder Einzelne um seine Fitness bemüht ist“, sagt Rochel. Sollte es eine Saison 2021/22 geben, dann hofft der Vellmarer Coach, „dass wir rechtzeitig mit der Vorbereitung anfangen können, der Nachholbedarf ist doch sehr groß.“ (von Peter Fritschler, aus HNA Kassel)