Die Handballer schwören darauf. Trotzdem sind Haftmittel sehr umstritten. Durch Harz, in Handballer-Kreisen umgangssprachlich auch „Patte“ genannt, wird das Spiel attraktiver und schneller. Der Ball wird griffiger und somit das Passen und Fangen vereinfacht. Die Nutzung von Haftmitteln war in den hessischen Ligen 20 Jahre lang verboten. Anders ist das in den höheren Spielklassen: Vereine von der ersten Bundesliga bis zur dritten Liga dürfen mit Harz trainieren und Spiele bestreiten. Nun hat der Hessische Handball-Verband (HHV) die Benutzung von Haftmitteln in den Oberligen der Männer, Frauen sowie A- und B-Jugenden erlaubt.

So weit, so gut. Aber auch hier gibt es einen Vorbehalt: Es darf nur dann Harz verwendet werden, wenn der Halleneigentümer zustimmt. Sobald diese Erlaubnis vorliegt, müssen die Vereine außerdem eine Erklärung über den Haftungsausschluss gegenüber dem HHV unterschreiben. Die Anträge können bei der Geschäftsstelle des HHV beantragt werden. „Wir wollen gern, aber dürfen nicht“, sagt Gordon Hauer auf Anfrage unserer Zeitung. Der Sportliche Leiter des Oberligisten TSV Vellmar findet die Nutzung von Haftmitteln einen guten Schritt: „Das macht den Handball noch attraktiver.“ Allerdings ist die Sporthalle in Vellmar frisch saniert worden – mit neuem Hallenboden und neuer Tribüne. Und gerade der Boden wie auch die Spielkleidung leidet erheblich unter dem Harz.

Vorgewarnt duch die Pleiten anderer höherklassiger Teams bestand Handball-Bundesligist FrischAuf Göppingen im Herbst 2011 darauf, in der 3. DHB-Pokal-Hauptrunde in Vellmar ausdrücklich nur mit Harz anzutreten. Am Ende gewannen Sie das Duell gegen den TSV als letzten hessischen Vertreter im Pokal vor ausverkauftem Haus erwartungs- und standesgemäß. (Foto: Mike)


Beim Oberliga-Team der Frauen von der HSG Hoof/Sand/Wolfhagen wird gerade geklärt, ob in der kommenden Saison mit harzverklebten Handbällen gespielt wird. Trainer Chris Ludwig sagt: „Es liegt am Ende an der Gemeinde. Vor allem die hohen Reinigungskosten sind bei den Verhandlungen natürlich ein Thema.“

Harz ist nicht wasserlöslich und wenn überhaupt, dann nur mit speziellen Lösemitteln entfernbar. Tippt ein Ball auf dem Boden auf, hinterlässt er klebrige Spuren. Spuren, die mit höheren Reinigungskosten als sonst verbunden sind.

Außerdem kritisiert Ludwig, dass der HHV die Nutzung nur erlaubt – und nicht etwa für alle festschreibt. „Dann reden wir nämlich von Wettbewerbsverzerrung“, sagt er. Die Spieler müssten sich erst mal an das Harz gewöhnen. Wenn sie an einem Wochenende mal mit Haftmittel am Ball spielen und in der folgenden Partie nicht – das würde für unnötige Umstellung und Probleme sorgen. (von Cora Zinn aus HNA Kassel)